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Selbstzeugnisse

Diese privaten Fotografien von Zwangsarbeiter:innen sind während ihres Aufenthaltes im nationalsozialistischen Deutschland entstanden. Hier begegnen uns junge Frauen und Männer, sogar Kinder, die sich ein Stück Normalität erkämpften und für Momente aus der Rolle der Entrechteten ausbrachen. Ihre Kommentare rücken die nur scheinbar harmlosen Fotos in den Kontext. Hier erfahren Sie mehr zu den Hintergründen.

Zofia Fuhrmann (links), 1943 mit Kolleginnen

Zofia Fuhrmann 1943, polnische Zwangsarbeiterin in Niederschlesien

»Aus der Zeit der Zwangsarbeit in der Fremde für meine teure Mama als Andenken an Zofia. Ludwigsdorf, 19.11.1943«

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Polnische Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter um 1942, unter ihnen Józef Andrzejewski

Józef Andrzejewski um 1942, polnischer Zwangsarbeiter in Hessen

»Fotografie aus dem Dorf Staden. Trotz der kleinen Einkünfte mochten es die Deutschen, Geldstrafen zu erteilen. Für diese Fotografie mussten wir jeweils zwölf Mark Strafe für das Fehlen des Buchstabens P zahlen.«

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Tadeusz Czerniak (Zweiter von rechts), 1941 mit Kameraden

Tadeusz Czerniak 1941, polnischer Zwangsarbeiter in Brandenburg

»Wir waren kaserniert in Holzbaracken, jeweils 18 Personen in einem Saal. An jedem Samstag bekam einer der Kameraden einen Passierschein für die Stadt. Aber diese Stadtgänge waren gefährlich, denn die deutsche Jugend veranstaltete manchmal Spielereien,...

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Tadeusz Brzeski (Mitte) um 1941, mit befreundeten polnischen Zwangsarbeiter:innen in Hamburg

Tadeusz Brzeski um 1941, polnischer Zwangsarbeiter in Hamburg

»Man hat uns – Polen – verboten, sich ohne einen außen auf die Kleidung aufgenähten Buchstaben P vom Wohnort zu entfernen. Wir behalfen uns, indem wir das Leinen mit dem Buchstaben auf ein Stück Blech zogen, an dem eine Nadel angebracht war. Im durch...

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Franciszka Stankowska (Zweite von links) vor 1944, mit polnischen Zwangsarbeiter:innen aus ihrer Baracke im Lager Deutzersfeld in Köln

Franciszka Stankowska vor 1944, polnische Zwangsarbeiterin in Köln

»Man durfte nichts haben. Die Abwechslung, die wir hatten, das war nur das, wofür wir selbst gesorgt haben. Das Foto, das ist in der Baracke. Die Flaschen sind leer, wir haben nur so gespielt als ob.«

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Zdzisław Żuber (rechts) um 1941, mit weiteren polnischen Zwangsarbeitern in Niederösterreich

Zdzisław Żuber um 1941, polnischer Zwangsarbeiter in Niederösterreich und dem Burgenland

»Wir machten Erdarbeiten, d.h. wir hoben Schützengräben aus und bereiteten Panzersperren vor. Es regierten Hunger und Krankheiten, aber für mich am schlimmsten waren die Kopfläuse und der Frost. Ich hatte 70 Geschwüre auf den Beinen von der Kälte und...

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Maria Andrzejewska (Mitte) um 1943, mit befreundeten polnischen Zwangsarbeiterinnen im Schillerpark in Berlin-Wedding

Maria Andrzejewska um 1943, polnische Zwangsarbeiterin in Berlin-Reinickendorf

»Wir sehnen uns nach – unserer Heimat – unserem Zuhause – der Freiheit.«

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Lidija Mishok (rechts), 1944 mit zwei Kameradinnen in Weimar

Lidija Mishok 1944, ukrainische Zwangsarbeiterin in Weimar

»Das Lager war von Polizisten und Hunden bewacht. Man begleitete uns immer mit Wachleuten zur Arbeit.«

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Bronisława Lichniak (geb. Orłowska), 1943 in Albersdorf, Steiermark

Bronisława Lichniak geb. Orłowska, 1943, polnische Zwangsarbeiterin in der Steiermark/ Österreich

„Albersdorf, 6. April 1943. Dem allerliebsten Vater schicke ich mein Porträt als Erinnerung bis zum Ende des Krieges. Auf Wiedersehen, Deine Dich liebende Tochter Bronia Orłowska“

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Einblick in den Alltag der Zwangsarbeit

Die Motive irritieren auf den ersten Blick: Sie zeigen junge Menschen in scheinbar privaten, alltäglichen Momenten, in ihrer Freizeit, beim Feiern oder auf Ausflügen. Arbeit und Gewalt bilden diese Privatfotografien nicht ab. Zwangsarbeiter:innen erscheinen nicht als unpersönliche Masse, wie so häufig in Dokumenten und Abbildungen deutscher Autor:innen. Es handelt sich nicht um die schablonenhaften, verdinglichenden Fotos von Arbeitskarten, Ausweisen oder gar Ermittlungsakten.

Vielmehr werden Personen sichtbar, die sich ein Stück Normalität erkämpften und damit aus der Rolle der Entrechteten, die ihnen von den Deutschen zugewiesen wurde, ausbrachen. Die Fotografien zeigen selbstbewusste Individuen. So wollten sie sich erinnert und gesehen wissen. Häufig waren diese Fotos auch als ein beruhigendes Lebenszeichen zum Versand an die Angehörigen gedacht.

Die Interventionen kombinieren – und kontrastieren – diese Bilder mit Widmungen und Erinnerungen der Zwangsarbeiter:innen, die die tatsächlichen Umstände ihrer Entstehung dokumentieren. So ergibt sich ein bemerkenswerter Blick in den Alltag der Zwangsarbeit im Deutschen Reich.

→ Von Kameraverbot bis Fotoatelier

Entsprechend dem rassistischen Regelwerk der Deutschen war polnischen – ebenso wie sowjetischen – Arbeitskräften der Besitz eines Fotoapparats streng verboten. Daher fungierten häufig westeuropäische oder tschechische Zwangsarbeiter:innen, die eine Kamera besitzen durften, als Fotograf:innen der polnischen und sowjetischen Arbeitskräfte.

Daneben verdienten auch deutsche Fotograf:innen an den Fotos osteuropäischer Arbeitskräfte: Beispielsweise erinnern sich ehemalige Zwangsarbeiter:innen in Berlin daran, dass an vielen öffentlichen Orten deutsche Fotograf:innen anboten, die ausländischen Arbeitskräfte gegen Bezahlung abzulichten. Viele der Fotos wurden auch in deutschen Fotoateliers aufgenommen, als Postkarten gedruckt, um dann von den Zwangsarbeiter:innen an ihre Familienangehörigen geschickt zu werden.

Und schließlich besaßen manche polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiter:innen heimlich einen Fotoapparat.


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