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Botschaften im Bild

Feste und Familienfeiern sind häufige Motive der Alltagsfotografie. Auch Zwangsarbeiter:innen nutzten diese Gelegenheiten, um Erinnerungsfotos von Weihnachtsfeiern, Geburtstagen und Feiertagen zu machen. Mit eindeutigen Botschaften versehen waren diese Fotografien auch Akte der Selbstbehauptung.

Zu sehen ist eine Gruppe junger Männer, die für ein Foto posieren. Im Zentrum des Bildes wird ein mit Kreide beschreibener Koffer von zwei der Männer festgehalten. Darauf steht „Zerstörung unserer Jugend 1944.“ auf Tscheschisch.
„Zerstörung unserer Jugend 1944.“
So kommentierten tschechische Zwangsarbeiter, die bei BMW in München eingesetzt waren, 1944 ihr Dasein. Sie waren im Lager Karlsfeld bei Allach untergebracht.

Besonders häufig sind solche Fotografien von Menschen aus den Niederlanden, aus Belgien, Frankreich und Tschechien, die im Gegensatz zu polnischen oder sowjetischen Zwangsarbeiter:innen Fotoapparate besitzen durften.

Auf dem bild sind zehn männer zu sehen.
„1. Dezember 1940 - Villa der Tränen - ohne Liebe“
Eine Gruppe französischer Kriegsgefangener war im Lager Geolfing bei Ingolstadt interniert und arbeitete bei Bauern in der Umgebung. Vermutlich waren sie im Sommer 1940 in Kriegsgefangenschaft geraten. Am 1. Dezember 1940 wurde das Foto vor der Baracke, in der sie leben mussten, aufgenommen und kommentiert.

Heutige Betrachter:innen könnten den Eindruck gewinnen, die Menschen säßen ganz normal zusammen. Vielleicht hatte einer von ihnen Geburtstag, andere feierten Weihnachten? Zur Erinnerung wollten sie ein Foto von sich machen? Alles war „normal“?

Auf dem bild sind 8 Männer zu sehen. Vier von ihnen sitzen an einem Tisch, weitere vier stehen hinter ihnen. Vor ihnen auf dem Tisch steht ein mit Kreide bemaltes Holzschild. Darauf stehen die Worte „Sklaven des 20. Jahrhunderts. Berlin 43.“ auf Tscheschisch
„Sklaven des 20. Jahrhunderts. Berlin 43.“
So charakterisierten tschechische Zwangsarbeiter sich selbst. Sie waren im Jahr 1943 im Lager Johannisthal des Stellmacherbetriebes Ambi Budd in Berlin untergebracht.

Damit dieser Eindruck nicht entstand, haben die Zwangsarbeiter:innen Botschaften mit ins Bild gerückt. Sie bezeichneten sich als die „Sklaven des 20. Jahrhunderts“, deren „Jugend zerstört“ wurde. Fern von ihrer Heimat, ihren Familien sind sie „ohne Liebe“, ihre Baracke ist eine „Villa der Tränen“. Sie schrieben ihre Empfindungen und Kommentare zur Situation auf eine kleine Tafel, einen Koffer oder was gerade zur Hand war.

Die Botschaft war: Hier stimmt etwas nicht. Dies ist kein normales Erinnerungsbild. Hier sind Zwangsarbeiter:innen zu sehen, die nach Deutschland deportiert worden sind, um für Deutsche zu schuften. Und gleichzeitig: Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und entmündigen.

Sie waren nur einige von insgesamt über 20 Millionen Menschen aus ganz Europa, die während des Nationalsozialismus für Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten.


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