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Museumsstandort: Gauforum

Warum das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus im ehemaligen Weimarer Gauforum seinen ‘idealen’ Standtort gefunden hat.

Luftaufnahme Weimar Quartier der Moderne
Ehemaliges Gauforum Weimar, im Gebäudeflügel hinter dem Turm entsteht das Museum Zwangsarbeit

Unsere Dauerausstellung zur Gesamtgeschichte der NS-Zwangsarbeit zeichnet auch ein sehr genaues Porträt von der nationalsozialistischen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die radikal rassistisch formiert war und auf zwei Säulen stand: Integrationsangeboten an die als „Volksgemeinschaft“ propagierte Mehrheit auf der einen Seite und Ausgrenzung, Verfolgung und am Ende oft auch Mord an denen, die nicht dazugehören sollten, auf der anderen Seite.

Wo könnte eine solche Ausstellung dauerhaft besser präsentiert werden als im ehemaligen Gauforum in Weimar?

Hier sollte der 1942 zum „Generalbevollmächtigen für den Arbeitseinsatz“ (GBA) ernannte Fritz Sauckel seinen Dienstsitz als Gauleiter von Thüringen haben. Als GBA war Sauckel maßgeblich für die millionenfache Verschleppung von Zwangsarbeiter:innen in das Deutsche Reich verantwortlich. Bezogen hat Sauckel sein bis zum Kriegsende nicht ganz fertiggestelltes Dienstgebäude am Forum zwar nie, seine monumentale Architektur vermittelt aber auch heute noch den Herrschaftsanspruch der Nationalsozialist:innen und ihre Idee von der „Volksgemeinschaft“, die insbesondere auch auf Ausschluss beruhte: Das Gauforum öffnet sich nicht zur Stadt, sondern grenzt sich zu ihr ab. Innerhalb des Gebäudekomplexes bot das Gauforum einen Aufmarschplatz für Tausende „Volksgenossen“ und „Volksgenossinnen“, die dort der NS-Ideologie und Funktionären wie Sauckel huldigen sollten.

 

Das Südgebäude des ehemaligen NS-Gauforums in Weimar; im mittleren Bereich hinter dem Risaliten befindet sich das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.
Das Südgebäude des ehemaligen NS-Gauforums in Weimar; im mittleren Bereich hinter dem Risaliten befindet sich das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Foto: Claus Bach.

Unser Museum nutzt den südlichen Flügel des ehemaligen Gauforums, in dem die großzügigen Diensträume von Fritz Sauckel untergebracht werden sollten. Der größte Teil der Dauerausstellung befindet sich im geplanten Empfangssaal für die NS-Eliten. Genau dort wird Sauckels Funktion als GBA – wie das Wirken der Arbeitsverwaltung insgesamt – detailliert dargestellt.

Das Gauforum in Weimar ist von den Nationalsozialisten bis Kriegsende zwar nicht mehr bezogen worden. Es war aber die vermutlich letzte Großbaustelle des Reiches, die als nicht „kriegsentscheidend“ galt. Mindesten bis Juli 1944 waren die Bauarbeiten an dem monumentalen, vierteiligen Bautenensemble nahezu ungemindert durchgeführt worden. Der Mitarbeiter:innenstab für den GBA Sauckel saß währenddessen im „Thüringenhaus“ in Berlin.

Unser Museum im einzigen fast fertiggestellten Gauforum in Deutschland, das als Machtzentrum für Fritz Sauckel gebaut wurde, versteht sich daher auch als historisch-politische Intervention. Unser Ziel: den Täter- zu einem Bildungsort zu machen. Hier sollen sich die Besucher:innen mit der Frage beschäftigen können, wie die nationalsozialistische Gesellschaft formiert war und welche Folgen Ausgrenzung, Verfolgung und Zwangsarbeit für diejenigen hatten, die nicht zur propagierten „Volksgemeinschaft“ gehörten.

Quartier Weimarer Moderne

Mit dieser Perspektive verortet sich das Museum nicht nur im engeren Rahmen des ehemaligen Gauforums, sondern insgesamt in der „Klassikerstadt“ Weimar und ihrem musealen Bildungsangebot zur deutschen und europäischen Geschichte der Moderne. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das Bauhaus-Museum und das Museum Neues Weimar, das Kunstwerke der frühen Moderne zeigt. In fußläufiger Nähe befinden sich zudem das Haus der Weimarer Republik und das Stadtmuseum. Und am Rande der Stadt, auf dem Ettersberg, befindet sich mit der Gedenkstätte Buchenwald einer der wichtigsten internationalen Gedenk- und Bildungsorte zur Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen. Mit abgestimmten Bildungsangeboten richten sich die genannten Häuser gezielt an ein gemeinsames Publikum und laden zum Nachdenken über die jüngere deutsche und europäische Geschichte und damit darüber ein, wie wir in Zukunft leben möchten.

 

Mehr zur Bau- und Nutzungsgeschichte vermittelt die Ausstellung „Das Gauforum in Weimar – Ein Erbe des Dritten Reiches“ im Turmgebäude neben unserem Museum und die dazugehörige Webseite gauforum.de.


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